Lektion 2 - Wie füttert man ohne Konzept?
3 Fragen an dich
Bevor es weitergeht, möchte ich dir gerne 3 Fragen stellen:
Wie sieht es aus? Achtest du auf deine eigene Ernährung? Ernährst du dich einigermaßen gesund?
Ernährst du dich nach einem Konzept oder sogar nach einem Plan?
Kennst du deine genauen Bedarfswerte für die einzelnen Nährstoffe und prüfst du nach, ob diese mit den Nahrungsmitteln auch wirklich gedeckt werden?

Wie oft hast du mit JA geantwortet? 3 Mal? 2 Mal? 1 Mal? Wenn man MIR diese Frage stellen würde, würde ich genau 1 Mal mit Ja antworten: Ja, ich achte auf meine eigene Ernährung und ernähre mich einigermaßen gesund. Aber nicht nach einem Konzept, nicht nach einem Plan und ich zähle ganz sicher nicht nach, ob in dem Apfel auch wirklich genug Vitamin C ist, um meinen Bedarf zu decken.
Ich habe auch meine Kinder (die mittlerweile erwachsen sind) niemals nach einem Plan ernährt, das hätte wohl auch nicht funktioniert. Und auch mein Mann würde mir einen Vogel zeigen, wenn ich mit einem Ernährungsplan für ihn ankommen würde.
Ich kenne auch kein anderes Haustier, bei dem so ein Riesenaufwand betrieben wird. Nicht bei Katzen (zumindest noch nicht so extrem), nicht bei Kaninchen, nicht bei Hamstern, nicht bei Meerschweinchen, nicht bei Vögeln.
Was also ist da bei den Hunden los?
Hunde sind uns Menschen außerordentlich nahe, ihr Stellenwert hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Immer mehr wurden Hunde zum Partner für den Menschen, zum Familienmitglied. Diese Entwicklung zeigt sich vor allem dort, wo es den meisten Menschen gut geht.
Auf der anderen Seite haben wir die Futtermittelindustrie. Diese hat sich in den letzten Jahrzehnten redlich Mühe gegeben, die Hundehalter davon zu überzeugen, dass Hundeernährung eine SO komplizierte Sache ist, dass ein Hundehalter das unmöglich alleine bewältigen kann. Das hat sie so gut gemacht, dass Hundehalter furchtbare Angst haben, sie könnten bei der Ernährung ihrer Hunde gravierende Fehler machen. Die Diskrepanzen zwischen den unterschiedlichen Konzepten (z. B. Barf und Fertigfutter) erleichtern die Problematik nicht gerade. Dadurch fühlen Hundehalter sich nur noch mehr hin und hergezerrt zwischen den verschiedenen Meinungen und Ansätzen. Auch dies ist eine Art "Luxusentwicklung", denn dort wo Armut herrscht, spielen Fertigfutter oder Fütterungskonzepte keine bedeutsame Rolle.
Was haben die Menschen mit ihren Hunden bloß gemacht, als sie noch keine Nährwerte und Bedarfswerte kannten? Das ist nämlich so lange noch gar nicht her. Um 1880 entstand die Idee, dass Nahrungsmittel wichtige Stoffe enthalten, die lebensnotwendig sind. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm die Entdeckung der Nährstoffe dann richtig Fahrt auf. 1920 bekam z. B. der lange gesuchte "antiskorbutische Faktor" seinen heutigen Namen: Vitamin C.
Die Idee, das Hundefutter müsste immer bestimmte Nährstoffgehalte haben, ist natürlich die Grundidee eines Fertig-Alleinfutters. Denn in dem Moment, wo man Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr nur noch eine einzige Futterquelle hat, muss da natürlich auch wirklich alles drin sein, was der Organismus zum Leben benötigt.
Wenn du von heute an nur noch Kartoffeln essen würdest und nichts anderes, würdest du früher oder später Mangelerscheinungen entwickeln. Den Kartoffeln müssten also Nährstoffe zugesetzt werden, damit alles, was fehlt, ausgeglichen wird.
Nun, da die meisten Hunde über Jahrzehnte nur mit "Kartoffeln + Nährstoffe" gefüttert wurden, haben die meisten Hundehalter vergessen, wie man einen Hund "normal" ernährt. Und damit sie sich auch bloß nicht erinnern, schreit die Futtermittelindustrie immer lauter VORSICHT!!! NÄHRSTOFFMANGEL!!!
Die Problematik mit der Nährstoffversorgung haben wir nicht nur in der Hundeernährung. Auch bei den Menschen ist die Sache mit der Nährstoffversorgung ein Thema, das gerne mal forciert wird. Auch hier gibt es bestimmte Werte der Nährstoffe, die als lebensnotwendig beschrieben werden. Komisch dabei ist nur, dass ein Deutscher andere Nährstoffmengen zu benötigen scheint als ein Engländer oder ein Amerikaner. Es ist nämlich so, dass die Empfehlungen zur Nährstoffversorgung sich in verschiedenen Ländern unterscheiden.
Als die Menschen sich noch ganz einfach mit den zur Verfügung stehenden Nahrungsmitteln abwechslungsreich und an Jahreszeiten angepasst ernährt haben, hat sich niemand gefragt, wie viele Portionen Gemüse er am Tag essen muss, um seinen Bedarf an Vitaminen zu decken. Heute haben wir das Problem, dass die Menschen zu oft zu Fertigprodukten greifen, die arm an natürlichen Nährstoffen sind. Das führt zwangsläufig dazu, dass sie schlechter versorgt sind. Hinzu kommt, dass die Produkte Zusatzstoffe und/oder Schadstoffe enthalten, die den "Nährwert" dieser Nahrungsmittel weiter herabsetzen.
Taschenrechner oder Kochkurs?
Wie also kommen der Mensch und sein Begleiter Hund wieder zu einer Ernährung, die einerseits die nötigen Nährstoffe liefert, andererseits keinen komplizierten Konzepten folgt? Wohl am ehesten, indem der Mensch wieder lernt, was es mit den frischen Nahrungsmitteln auf sich hat. Kochkurse und eine gewisse Nahrungsmittelkunde bringen den Menschen und so auch seinen Begleiter Hund also deutlich weiter als ein Taschenrechner und ausgeklügelte Ernährungspläne.
Wer sich als Mensch mit der eigenen Ernährung befasst, erwirbt automatisch auch Kenntnisse für die Ernährung seines Hundes! Um deinen Hund zu versorgen, musst du im Grunde genommen nur auf ein paar wenige Faktoren achten. Was das für Faktoren sind, lernst du in den weiteren Lektionen. Solltest du deine eigene Ernährung etwas vernachlässigt haben, wird sich das eventuell nun ebenfalls bald ändern 😀👍
