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Lektion 1 - Ist der Hund ein Wolf?

Vielleicht gehörst du auch zu den Hundehaltern, die verunsichert sind durch die vielen Informationen, die rund um die Hundeernährung kursieren. Vor allem der Trend, Hunde wie Wölfe zu ernähren, sorgt für Diskussionen.

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Beim Barfen simuliert man, ein Beutetier zu füttern, denn der Hund wird dabei vor allem im Bezug auf seine Ernährung mit dem Wolf gleichgestellt. Die Rationen werden daher zum größten Teil aus tierischen Bestandteilen (Fleisch, Innereien, Knochen) zusammengestellt. Nur ein geringer Teil besteht aus pflanzlichen Komponenten, Kohlenhydrate werden nur in kleinen Mengen gefüttert, Getreideprodukte häufig ganz abgelehnt.

Die leider schon verstorbene deutsche Verhaltenswissenschaftlerin Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen sagte einmal: „Auf dem Weg vom Wolf zum Hund hat sich nahezu alles verändert. Kein Organ blieb gleich!

Dr. Jürgen Zentek, Professor und Fachtierarzt für Tierernährung meint: “In Gemeinschaft mit dem Menschen wurde der Hund mehr und mehr Omnivor (Allesfresser) – wie sein Herr!”.

Seit der Domestizierung vom Wolf zum Hund ist ja auch einiges passiert …

Vom Wolf zum Hund

Hunde sind Säugetiere, die zur Ordnung der Raubtiere gehören und von Wölfen abstammen. Die Domestizierung des Wolfes zum Hund geschah vor etwa 20.000 bis 40.000 Jahren, als die Menschen noch als Nomaden lebten und sich von ähnlichen Nahrungsmitteln wie die Wölfe ernährten, darunter Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Nüsse, Kräuter und Samen. Wölfe bevorzugen leicht erreichbare Beute, darunter junge oder geschwächte Tiere, und in einigen Fällen sogar menschliche Überreste, was möglicherweise dazu führte, dass Wölfe sich dem Menschen näherten.

Die neolithische Revolution

Vor etwa 12.000 Jahren fand die neolithische Revolution statt, bei der Menschen sesshaft wurden und Ackerbau betrieben. Dies geschah möglicherweise aufgrund klimatischer Veränderungen. Menschen entwickelten die Fähigkeit, Stärke zu verdauen. Hunde, die ähnliche Nahrung wie Menschen fraßen, passten sich ebenfalls an. Die Ernährung variierte je nach Standort. Menschen, die in Regionen lebten, in denen Ackerbau nicht leicht möglich war, blieben bei entsprechend fleischlastigerer Ernährung und so natürlich auch ihre Hunde.

Resteverwerter

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Im Laufe der Geschichte wurden Hunde von ihren Besitzern mit dem gefüttert, was verfügbar war und was sie bereit waren, abzugeben. Fleisch war selten in großen Mengen verfügbar, selbst Jagdhunde erhielten wenig Fleisch. Getreide war zeitweise die Hauptnahrung für viele Hunde und Hundefutter bestand beispielsweise aus der mittelalterlichen "Schlampe" aus Brot und Wasser. In vergangenen Generationen wurden Hunde oft mit den Essensresten der Menschen gefüttert und erhielten gelegentlich Fleischknochen.

Diese Praxis, Hunde mit Resten zu füttern, ist in vielen Ländern, insbesondere in ärmeren Regionen wie Rumänien und Bulgarien, immer noch üblich, da sich viele Menschen selbst versorgen und wenig Geld für Hundefutter ausgeben können.

Trockenfutter oder Fleisch

Etwa Mitte des letzten Jahrhunderts begannen für den Hund gleich zwei folgenschwere Entwicklungen: Die industrielle Hundefutterherstellung ging los und die Massentierhaltung hielt Einzug. Etwa Mitte der 90er Jahre erinnerte man sich auf einmal: „Stimmt ja, der Hund stammt doch vom Wolf ab! Der braucht viel Fleisch!“

Die Futtermittelindustrie versuchte, profitables Hundefertigfutter zu etablieren, während die Barfer-Bewegung rohes Fleisch für Hunde favorisierte und "Viel Fleisch" wurde zum Werbeslogan. Aufgrund des hohen Getreideanteils in vielen Fertigfuttersorten entwickelte sich der "Low Carb"-Trend auch in der Hundeernährung. Diese Trends waren aber nicht immer im besten Interesse der Hunde.

👉Die meisten Hundehalter füttern Fertigfutter

Nur etwa 10 % aller Hundehalter in Deutschland füttern ihren Hund mit frischen, normalen Nahrungsmitteln. Ganze 90 % der Hundehalter vertrauen auf Fertigfutter. Diese Entwicklung scheint für die Gesundheit der Hunde nicht wirklich förderlich gewesen zu sein. Immer mehr Hunde leiden an sogenannten Zivilisationserkrankungen, Erkrankungen, die auf die Lebensweise zurückzuführen sind. Krebs ist die häufigste Todesursache und die Lebenserwartung der Hunde sinkt. An diesen Entwicklungen trägt die Ernährungsentwicklung der letzten etwa 70 Jahre sicher einen Teil der Schuld.

Todesursache Nr. 1: Krebs ❗❗

In den 1950er Jahren erkrankte von 10 Hunden einer an Krebs. Heute erkranken von 10 Hunden 5 an Krebs. Das ist etwa jeder zweite Hund und bedeutet, dass die Häufigkeit der Krebserkrankungen bei Hunden in den letzten 70 Jahren um etwa 40 % (!!) zugenommen hat. Sicher lässt sich das nicht allein mit den verbesserten Möglichkeiten der Diagnostik erklären.

Der aufgekommene Trend, Hunde wieder mit frischen Nahrungsmitteln zu versorgen, ist in Anbetracht dieser Entwicklung an und für sich keine schlechte Idee. Doch muss man dabei wirklich in ein erneutes Extrem kippen, nämlich den Hund wie einen Wolf mit hohen Mengen Fleisch ernähren und streng nach einem weiteren Konzept füttern?

Also zurück zum Wolf, dem Urvater des Hundes?

Viele Verfechter einer Fütterung mit hohen Fleischmengen argumentieren, der Hund sei dem Wolf genetisch nach wie vor sehr nahe. Das ist sicher nicht ganz falsch. Immerhin liegt die genetische Übereinstimmung von Wolf und Hund bei etwa 99 %.

Die genetische Übereinstimmung von Mensch und Affe liegt aber auch bei bis zu 99,4 %. Doch kaum ein Mensch kommt auf die Idee, sich wie ein Affe zu ernähren. Auf die Idee, sich wie die Steinzeitmenschen zu ernähren, sind jedoch schon einige Menschen gekommen. Diese Form der Ernährung (Paleo) setzt auf einen relativ hohen Fleisch- und auch Fettanteil und wenig Kohlenhydrate.

Das Paleo-Konzept ist umstritten aus verschiedenen Gründen. Nicht zuletzt auch, weil es sich gezeigt hat, dass der Mensch sich an die zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel anpassen kann. Schließlich haben Menschen im Laufe der Evolution die Laktoseintoleranz in vielen Teilen der Welt abgelegt und sie haben Enzyme zur Verdauung von Stärke entwickelt.

„Es ist nicht die stärkste Spezies die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am anpassungsfähigsten ist.“ (Charles Darwin)

Paleo - ein Trend zurück zur Natur? Nein, eher nicht. Die Ernährung mit hohen Mengen Fleisch ist alles andere als natürlich, denn solche hohen Mengen wie aktuell stehen uns nur aufgrund der heute praktizierten Massentierhaltung zur Verfügung. Nachhaltig ist das Paleo-Konzept daher ganz sicher nicht.

Hunde und pflanzliche Nahrungsmittel - was ist damit?

Viele meinen, Hunde sollten nur einen geringen Anteil pflanzliche Nahrungsmittel bekommen, da sie diese ja sowieso nicht sonderlich gut verwerten könnten. Tatsächlich haben Hunde keine Enzyme für den Abbau von Zellulose, welche sich in den Zellwänden der pflanzlichen Nahrungsmittel befindet. Aber auch Menschen, die ja ebenfalls zu den Säugetieren zählen, haben keine Enzyme zum Abbau von Zellulose.

Der Wissenschaftler Erik Axelsson und sein Team fanden 2013 u. a. eine bisher unbekannte Unterscheidung im Erbgut von Hund und Wolf, welche ihrer Meinung nach eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung zum Hund gespielt hat: Hunde können Stärke verdauen, da Gene in ihrem Erbgut, welche für ein Enzym kodieren, dies möglich machen.

Außerdem vermuten die Wissenschaftler, dass diese Fähigkeit, Stärke zu verdauen, eine wichtige Rolle beim weiteren Verlauf der Domestizierung der Hunde spielte. Da die Menschen sich nun häufiger mit stärkereichen Komponenten ernährten, hatten Tiere, welche diese verdauen konnten, entscheidende Vorteile.

Als der Hund zum Menschen kam, waren die Menschen noch Jäger und Sammler und ernährten sich ebenfalls größtenteils von Fleisch. Erst durch die neolithische Revolution vor etwa 10.000 Jahren wurde Getreide eine wichtige Ernährungsgrundlage für die Menschen und so auch die Hunde.

Auch die Menschen entwickelten erst im Laufe der Zeit die Fähigkeit, Kohlenhydrate durch entsprechende Enzyme zu verwerten. Denn es überleben die, die sich anpassen können.

Hunde sind heute Allesfresser, im Gegensatz zu ihren Vorfahren. Straßenhunde weltweit ernähren sich von Resten, Müll und auch von kohlenhydratreichen Speisen, wenn sie die Wahl haben. Ein Beispiel sind die "Pizzahunde" in der Toskana, die lieber menschliche Essensreste wie Nudeln und Pizza essen als zu jagen. Hunde können als auf Fleisch spezialisierte Allesfresser betrachtet werden, da sie Fleisch und Knochen zerkauen können, aber ihr Verdauungssystem ähnelt dem anderer Allesfresser. Die Darmlänge von Hunden ist vergleichbar mit der von Menschen, die ebenfalls Allesfresser sind. Eine Studie zeigt, dass das Darmmikrobiom von Hunden dem von Menschen ähnelt.

Es ist weder notwendig noch nachhaltig, Hunde wie Wölfe zu ernähren, da sie sich an die menschliche Restenahrung angepasst haben.

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